Verweigerung ist möglich

Von Thomas Bez
26.03.2014 19:05 UTC neu
im Weblog TedescaNet

"Stützen der Gesellschaft" auf FAZ.NET: Stützen der Gesellschaft: Security ist eine Meisterleistung aus Deutschland

Unter den Wolken ist die Freiheit von der Sicherheit begrenzt, und Flughäfen sind längst Zonen der Sondergesetze und Zwangsvorführung. Wären es Hotels oder Restaurants, kein Gast käme jemals wieder.

 

Ich habe aus den entwürdigenden Prozeduren, die uns zugemutet werden, wenn wir uns auf dieser Welt bewegen, meine Konsequenzen gezogen:

(1.) Ich reise nicht mehr nach Amerika. Im vergangenen Jahrhundert war ich dreimal in USA, danach nicht wieder. Überhaupt war ich im vergangenen Jahrhundert viel in der Welt unterwegs, habe die letzten Ausläufer menschenwürdigen Reisens noch kennenlernen dürfen. Auch nach Israel muß ich nicht. Nicht, daß es mich nicht interessieren würde, aber da ich die arabische Welt am exemplarisch zu nennenden Ort Riad doch etwas kennenlernen durfte, nehme ich dies fürs Ganze und bescheide mich.

Ja, die 90er Jahre waren definitiv anders.

(2.) Ich reise überhaupt nicht mehr irgendwohin, wo ich einen Paß brauche, denn einen Paß habe ich nicht mehr. Mein zweiter und gleichzeitig letzter ist vor vier Jahren abgelaufen. Für einen neuen müßte ich einen Fingerabdruck abliefern, was ich kategorisch ablehne. Ich stelle mir vor, ich hätte noch einen gültigen Paß, was gerade noch denkbar ist, hätte ich mich noch 2005 um einen neuen gekümmert, und ich komme in Singapur oder einem anderen verrückten Land an und sollte anläßlich meiner Einreise in einen Iris-Scanner blicken... Keine Chance, außer in der Transitlounge einen Schnaps zu nehmen und dann gleich zurückzufliegen.

Ich frage mich auch, wie lange ich noch einen Ausweis oder Führerschein haben werde, ohne dafür Körpermaterial hinterlegen zu müssen. Verweigerung tendiert dazu, im Selbstlauf immer radikaler zu werden, wenn man sich nicht eines Tages ultimativ demütigen will oder die Welt einen (äußerst unwahrscheinlichen) Paradigmenwechsel erlebt.

(3.) Zu meiner auf den Schengen-Raum (einschließlich oder ohne England? Ich weiß das nicht so genau, will da aber auch lieber nicht mehr hin.) eingeschränkten Bewegungsfreiheit paßt, daß ich aus den von Ihnen, Don, geschilderten Gründen auch kein Flugzeug mehr besteigen will. Unser Kontinent ist groß, und es gibt so viele Orte auf der Welt, wo man mit Automobil, Eisenbahn und Fähre hinreisen kann. Bis nach Wladiwostok könnte ich so kommen, ohne mich entblößen zu müssen.

Den wahrhaftigen Traum vom Fliegen konnte ich zweimal erleben: auf einem Propellerflug von Tempelhof nach Bern und bei einem lokalen Flug in Dänemark. Beides waren höchst zivile Veranstaltungen, menschenwürdig, kultiviert. Zweimal, das muß genügen.

Und sowieso habe ich erkannt, daß die Uckermark als Ziel der Sehnsucht viel besser taugt als Bali oder Dubai. Vor allem, weil nicht so viel lärmendes Volk dort ist. Misanthropen haben es in mancher Hinsicht leichter.